Freiwillige Feuerwehr
Leck - ein Rückblick
"Man kann nicht allen
helfen - sagt der Engherzige - und hilft keinem." Das
erkannte Marie von Ebner-Eschenbach in ihren Aphorismen im
Jahre 1893.
In jenem Jahr brannte es in Schleswig-Holstein 844 mal: 421
Gebäude. Teilweise beschädigt wurden eine Kirche,
454 Wohnhäuser, 22 gewerbliche Betriebe, 116
Nebengebäude. Die Gesamtschadensumme betrug 1.773.485
Mark. Hätte es damals nur "Engherzige" gegeben, der
Schaden wäre sicher noch größer geworden.
Aber es gab eben auch Weitherzige, viele Weitherzige. Es hat
sie zu allen Zeiten gegeben. Und es gibt sie auch noch heute.
Menschen, die freiwillig und bis zur Selbstaufopferung
helfen. Dabei ist es völlig egal, ob und welcher
Organisation oder welchem Verband sie angehören oder ob
sie überhaupt nicht organisiert sind.
Katastrophen wie die Sturmfluten zu Beginn der sechziger
Jahre sind - gottlob - selten. Sie lehren uns, daß der
Mensch in der Gemeinschaft aufeinander angewiesen ist. In Not
aber geraten Menschen nicht nur in Katastrophen.
Unfälle, in denen Menschen plötzlich in Not
geraten, passieren täglich zigfach. Das bedeutet, das
täglich zigfach auch Hilfe geleistet werden muss. Und
das können oder wollen, will man Marie von
Ebner-Eschenbach glauben, Engherzige eben nicht.
Allerdings:
Helfen wollen,
das ist die eine Seite! Helfen können, ist die
andere
Jeder Helfer, in welcher Hilfeleistungsorganisation er auch
steht, und er mag es beruflich oder ehrenamtlich tun, muss
über eine gut fundierte Ausbildung verfügen. Das
war allerdings vor hundert Jahren auch nicht anders.
Die Freiwilligen Feuerwehren, von denen die ersten um die
Mitte des vergangenen Jahrhunderts gegründet wurden,
geben ein beredtes Zeugnis von dieser Erkenntnis.
In Leck erkannten das vor rund 125 Jahren einige
Bürger. Zu Beginn des Jahres 1879 wurde in Bredstedt
eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Fünf Lecker
Bürger fuhren zur Gründungsversammlung, um sich
dort zu informieren. Das war praktisch die Geburtsstunde der
Freiwilligen Feuerwehr Leck. Denn nur wenige Wochen nach
dieser Gründungsversammlung in Bredstedt wurde auch in
Leck zu einer solchen Versammlung eingeladen. Dreißig
Lecker Bürger traten sofort der Freiwilligen Feuerwehr
Leck bei.
Im Jahre 2003 hat die Freiwillige Feuerwehr Leck 80 aktive
Feuerwehrmänner, 2 aktive Feuerwehrfrauen, 21
Jungfeuerwehrmänner und 3 Jungfeuerwehrfrauen.
Im Folgenden wollen wir aufzeigen, was sich bei der
Freiwilligen Feuerwehr Leck seit ihrer Gründung
ereignete. Und wir werden am Ende feststellen: es gab
verschiedene Regierungsformen: das Kaiserreich, die Weimarer
Republik, die Nationalsozialistische Herrschaft und die
Bundesrepublik. Es gab zwei fürchterliche Kriege, und es
gab zwei Inflationen.Es gab die Reichsmark, die D-Mark und
heute den Euro. Formen und Uniformen, Gerätschaften und
Aufgaben änderten sich auch in der Freiwilligen
Feuerwehr Leck. Eines aber ist heute noch genauso vorhanden
wie vor 125 Jahren:
die freiwillige Bereitschaft
zur Hilfe
Die letzten Jahrzehnte haben wir alle selbst mehr oder
weniger bewusst erlebt. Der größte Teil dieses
Rückblickes soll daher der 'Vergangenheit' gewidmet
sein.
Es war gar nicht einmal so leicht, diese Vergangenheit
zusammenzutragen, denn im Jahre 1916 brannte das Haus des
damaligen Schriftführers Andreas Petersen, den
älteren Bürgern unter "Andres Timmersiek" bekannt.
Dabei verbrannte auch das Protokollbuch.
Im Jahre 1978 dann wurde aus Anlass des 100'jährigen
Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Leck eine Festschrift
von den aktiven Kameraden zusammengetragen und
herausgebracht. Zwölf Feuerwehrmänner wälzten
damals unter Leitung von Horst Götz stundenlang die
alten Bände des "Lecker Anzeiger". Eine weitere Quelle
war die "Chronik des Dorfes und Kirchspiels Leck und der
Karrharde" von H. C. Carstensen, weiland Organist und 1.
Lehrer in Leck, herausgegeben am 15. Februar 1899. Der
Chronist der Festschrift sprach um 1959 herum mit Christian
"Opa" Duborg, Carl Paulsen (Vater von "Kalli Taxe") und
Carsten Petersen (Carsten Moler). Ihre Väter
gehörten zu den Gründern der Freiwilligen Feuerwehr
Leck.. Wesentliche Teile dieses Berichtes stützen sich
auf diese Festschrift.
Beginnen wir unseren Rückblick mit jenen
Aufzeichnungen, die H. C. Carstensen zum Ende des letzten
Jahrhunderts zusammentrug:
Feuersbrünste in
Leck
In früheren Zeiten
ist Leck sehr oft von Feuersbrünsten heimgesucht worden.
Eine stehende Redensart in der Umgegend besagte, das es jedes
Jahr zu Pfingsten in Leck brenne.
Um Pfingsten 1828 brannte das Haus, in dem der
Pferdehändler Chr. P. Petersen wohnte, nieder. Das Feuer
ergriff noch 7 weitere Gebäude, so das die ganze
Häuserreihe von Chr.Andresen bis Schlachter Wulf
eingeäschert wurde.
Um Pfingsten 1831 brannte das zweite Pastorat nieder. Es lag
etwas südlicher im Garten wie das jetzige Gebäude.
Auch hier verbreitete sich das Feuer auf die
Nachbarhäuser, so das die ganze Reihe bis incl.
Schlachter Duborgs Haus zerstört wurde.
Pfingsten 1835 wurden die beiden Gebäude, in denen der
Färber Munk und der Kaufmann Martensen wohnten,
eingeäschert.
Pfingsten 1844 brannten auf dem Schafmarkt drei Häuser
nieder. Im gleichen Jahre, am 2. September, die beiden
Häuser der Brüder Peter und Jens Petersen in der
Bik.
Im Herbst des Jahres 1845 wurde das Haus des Josias Jordt vom
Feuer zerstört. Es entstand dort das Wohnhaus des
Uhrmachers Sönke Brodersen. Vormals war es ein
Wirtshaus, und das damit zusammengebaute Haus (Fritz
Petersen) diente als Scheune und Durchfahrt.
1846 brannte auf dem Platze, wo später das Haus des
pensionierten Briefträgers Hinrichsen stand, das Haus
eines gewissen Schlünzer nieder.
1850 wütete das Feuer in dem Nachbargebäude, dem
Landmann Hans Hansen, genannt Flühmann, gehörig.
Der Neubau wurde als Wirtshaus mit Durchfahrt
aufgeführt, doch blieb die Konzession aus. Später
hatte dort der Maschinenfabrikant Sönnichsen seinen
umfangreichen Betrieb. Das Anwesen brannte im Januar 1899
vollständig ab.
Auf dem Platze, wo sich später das Gewese des Landmanns
Ludwig Brodersen befand, brannte 1851 das Haus des Antoni
Nissen nieder.
Das zweistöckige Haus des Gastwirts Boysen verdankt
seine Entstehung auch einer Feuersbrunst, die 1866 das alte
Gewese des Andreas Hansen Claussen niederlegte. (Man
erzählt sich, das man bei Anlegung der Kalkgrube auf das
Skelett eines Menschen stieß. Die Knochen waren jedoch
ganz mürbe. Nach Aussage der Frau sei an der Stelle die
Fremdenschlafstube des alten Hauses gewesen und man habe dort
vor Spuk nicht schlafen können.)
Am Abend des 1. Febr. 1868 brannte das Gewese des
Zimmermeisters Jacob Krohn nieder. Der Neubau wurde jenseits
der Straße aufgeführt. (Danklef Matthiessen.)
1870 tobte ein bedeutendes Feuer an der
Süderbrücke. Das neue Haus gehörte dem
Gastwirt Petersen; durch diesen Brand wurde zugleich auch
Platz geschaffen für die beiden Nachbarhäuser.
(Sommer und Lorenzen.)
An der hinteren Dorfstraße brannte 1871 das Haus des
Böttchers Christiansen nieder. Später entstand dort
das Haus des Malers Nommensen.
Am 3. Juli 1872, nachmittags 5 Uhr, wurde das Haus des
Schlachtermeisters Müller ein Raub der Flammen. Im
Neubau wohnte dann der Schlachter J. Harmsen. Durch
fliegendes Feuer wurde auch der Kirchturm in Brand
gesetzt.
Durch ein betrunkenes Frauenzimmer wurde 1875 auf dem Berge
ein Doppelhaus angezündet. Es wurden hierfür zwei
einzelne Häuser aufgebaut. (Burgwaldt und
Burmeister.)
1877 brannte in der Westerallee ein kleines Haus (sogen.
Hebammenhaus).
1891 der Stall des Gastwirts Thade Petersen.
1892 im August Scheune und Stall des Pastor Emeritus
Matthiessen.
Im Jahre 1896 entstand aus unbekannten Ursachen im Hause des
Buchbinders Koch am Markt Feuer. Mit diesem Gebäude
brannten auch die umfangreichen Baulichkeiten des Gastwirts
Jensen nieder.
Soweit Chronist Carstensen.
Hierzu einige Erläuterungen: Der Brand Pfingsten 1828
betraf die Häuserzeile in der Hauptstraße, wo
heute die Geschäfte Schlecker bis einschließlich
Sporthaus Petersen stehen. Färber Munk und Kaufmann
Martensen sind heute V&R Bank und Elektrogeschäft
Erichsen. Das Feuer 1846 war das Haus heute Wendrich. Hans
Hansen, genannt Flühmann, stand an der Alleestraße
gegenüber der Einmündung Birkstraße. Gastwirt
Boysen ist heute "Peking-Restaurant". Jacob Krohn heute
Detlef Dethlefsen. Das Haus Schlachter Müller (1872)
stand auf dem Schafmarkt.
Von der
Pflichtbrandwehr zur Freiwilligen Feuerwehr
In jenen Jahren bestand,
wie überall, eine Pflichtbrandwehr, der alle
männlichen Einwohner von 16 bis 60 Jahren
angehörten. Im Falle eines Brandalarms mussten sie sich
mit einem Ledereimer "bewaffnet", beim Brandhauptmann der
Gemeinde melden. War ein Einwohner verhindert, so musste er
sich innerhalb 24 Stunden bei dem Hauptmann entschuldigen.
Andernfalls musste er ein sogenanntes Brüchegeld in
Höhe von drei Mark bezahlen - für damalige Zeiten
eine empfindliche Strafe. Das "Löschgerät" jener
Zeit war die Eimerkette.
Zu Beginn des Jahres 1879 wurde die Freiwillige Feuerwehr in
Bredstedt gegründet. Zur Gründungsversammlung hatte
man einige Bürger Lecks eingeladen. Es waren Christian
Duborg (der Vater des Schlachtermeisters Duborg am Markt),
Andreas Thiele (Großvater von Schuhmacher Thiele,
Hauptstraße), H. P. Paulsen (Vater von Carl Paulsen),
Andreas Paysen und Carsten Petersen (Carsten Uhrmoker).
Christian Duborg berief nach der Rückkehr für den
22. Februar eine Versammlung im Gasthof Andr. Hansen (heute
Peking Restaurant) ein, um auch in Leck eine Freiwillige
Feuerwehr zu gründen. Es meldeten sich etwa 30 Mann.
Christian Duborg wurde zum Hauptmann gewählt. Er sollte
zwölf Jahre dieses Amt behalten.
Seine Nachfolger waren in der Reihenfolge Christian Georg
Andresen, der im Gebäude des alten Rathauses eine
Gastwirtschaft hatte, Gastwirt Emil Hellmuth (Schafmarkt),
Säckermeister Jaedicke (heute Schuhhaus Jessen),
Schneider Clausen, Schornsteinfegermeister Hans Möller,
Peter Dinsen, Johann Nikolaisen, Albert Petersen, Peter
Lentfer, Horst Götz, Harald Nielsen, Reinhard Kraus und
Joachim Pilz.
In blauen
Kitteln
Die Uniformen der ersten
Feuerwehr, die aus einfachen blauen Kitteln bestanden,
nähte Schneidermeister Clausen in der Birkstraße.
Zu der Zeit verfügte die Feuerwehr bereits über
eine Handdruckspritze. Das Wasser musste allerdings mit
Eimern herangetragen werden und wurde dann von der Spritze
weitergedrückt. Übungen wurden sonntags nachmittags
in der Zeit von 14 bis 16 Uhr abgehalten. Die Alarmierung
erfolgte durch die Sturmglocke, Feuer- und Signalhörner.
Das Zugseil für die Sturmglocke befand sich an der
Außenfront des Kirchturms, wo es noch bis nach dem
letzten Kriege gewesen ist. Der erste, der die Sturmglocke
läutete, bekam eine Belohnung von fünf Mark.
Zum Transport der Spritze waren mehrere Pferdehalter
bestimmt. Auch hier gab es eine gewisse Gebührenordnung
nach der Schnelligkeit. Das erste Gespann erhielt zwanzig
Mark, das nächste zehn Mark. Schärfste Konkurrenten
in dieser Hinsicht waren Gastwirt Carl Paulsen und sein
Nachbar Franz Hollersen. Da Carl Paulsen seinerzeit keinen
Ausgang nach der Hauptstraße hatte, wurden die Pferde,
um Zeit zu sparen, oftmals durch die Gaststube gezogen.
Das Spritzenhaus befand sich lange Jahre in einem Schuppen am
Schafmarkt in dem lange die Firma Frenzel ein Lager
hatte.
1895, die Freiwillige Feuerwehr Leck war gerade 16 Jahre
"jung", wurde Leck Austragungsort für das
Kreisfeuerwehrfest.
Im Kreise gab es damals 26 Feuerwehren mit 1131 aktiven
Feuerwehrmännern. Aus Leck nahmen an diesem Fest
folgende Männer teil:
Hauptmann Chr. Andresen, Vice-Hauptmann Hans Carstensen,
Zugführer Emil Hellmuth, Zugführer Pay Petersen,
Stellvertr. Anton Bruhn, Stellvertr. Martin Lützen,
Schlauchführer Carsten Petersen, Zeugmeister Georg
Schütt, Feuerwehrmann J. Hinrichsen, Andr. Detiefsen,
Georg Nommensen, N. Bossen, Heinr. Petersen, H. Thiele, Thade
Petersen, Carl Lüthje, Andr. Paysen, Carf Tychsen,
Heinr. Martensen, Fritz Petersen, Friedrichsen, Peter
Marcussen, Carl Paulsen, Thomas Petersen, Carl Busch, Detlef
Jessen, J. E. Herrmann, C. F. Voß, Carsten Petersen
jr., Jens Detlefsen, Caspar Jordt, G. Carstens, Obersteiger
Fr. Lorenzen, Stellvertr. Carl Feddersen, Steiger Joh. Chr.
Nommensen, Anton Kiebler, Chr. Brodersen, Chr. H. Koch, Chr.
Duborg jr., Jedicke, Oberberger Jens Petersen, Berger Andr.
Thiele, Georg Boysen, Peter Petersen, Joh. P. Rasmussen,
Stabstrompeter Rosenkranz, Hornist Heinr. Christiansen,
Friedrich Frenzel, Peter Stapelfeldt, Julius Nissen, Herrn.
Nissen.
Am Sonntag, dem 16. Juni 1895, wurden die auswärtigen
Gäste an der Süder- und an der Westerbrücke
empfangen. In den Empfangslokalen gab es einen
Freischoppen.
Im Programm heißt es dann weiter:
Nachmittags präcise 1 1/2 Uhr: Delegierten-Versammlung
in "Boysens Gasthof"
Nachmittags 3 Uhr: Antreten sämtlicher Wehren bei
"Boysens Gasthof".
Nach der Schulübung der Lecker Freiw. Feuerwehr,
Parademarsch sämtlicher Wehren und Scheinangriff auf ein
Schadenfeuer seitens der Wehren aus Klixbüll, Stadurn
und Leck.
Nachmittags 5 Uhr, nach beendigter Übung: Festzug durch
den Ort nach dem "Augarten", woselbst Concert bis 7 Uhr.
Abends 7 Uhr: Rückmarsch nach "Boysens Gasthof",
woselbst gemeinschaftliches Abendessen, à Couvert 1,-
Mark (ohne Weinzwang).
Abends 8 1/2 Uhr: Beginn der Festbälle in "Boysens
Gasthof", "Tonhalle" und "Th. K. Petersens Gasthof".
Nichtmitglieder können abends an den Festbällen
gegen Lösung einer Partoutkarte, welche für Herren
1,20 Mark und Damen 50 Pfennig beträgt, wofür freie
Ballmusik geliefert wird, in sämtlichen Lokalen
teilnehmen.
Der Eintrittspreis zum Concert im Augarten beträgt
für Erwachsene 30 Pf. und für Kinder 10 Pf.
Zu recht zahlreicher Beteiligung an den Festlichkeiten laden
wir das Publikum von nah und fern freundlichst ein.
Das Fest-Komitee.
Natürlich gab es auch eine Löschvorführung,
damals "Scheinangriff" genannt. Der "Lecker Anzeiger"
berichtet darüber:
General-Idee für den Scheinangriff
Es wird angenommen, das dass Hauptgebäude des
Gastwirts Boysen in Brand geraten ist. Das Feuer, welches im
südlichen Flügel entstanden, ist bereits so heftig,
das an ein Löschen desselben nicht zu denken ist. Da
noch Personen im Hause sind, welche nicht mehr zur Treppe
gelangen können, ist es die Aufgabe der Steiger,
dieselben durch ein Fenster zu retten. Bei dem
nordöstlichen Winde ist das mit Stroh gedeckte
Nebengebäude in großer Gefahr. Dasselbe wird
zunächst von der Lecker Freiw. Feuerwehr beschützt,
der dann die Wehren aus Klixbüll und Stadum zu
Hülfe kommen.
Feiern konnte man damals ebenso gut wie heute. Auf jeden Fall
stand es zu lesen:
Der in drei Lokalitäten stattfindende Ball dauerte
bis zum hellen Morgen. Ein Teil der fremden Gäste fuhr
mit dem letzten Zuge nach Westen, ein anderer Teil suchte den
Heimatsort per Fuhrwerk auf, während den Schluss die
Teilnehmer von den Inseln Föhr und Sylt machten, die
heute morgen in aller Frühe nach Stedesand
hinübergefahren wurden, von wo aus sie die
Frühzüge benutzten, um dadurch rechtzeitigen
Anschluss an die Dampfschiffe zu erlangen.
Unser Ort hatte zu dem Fest ein hübsches Festkleid
angelegt, es fehlte fast kein Haus, das nicht durch Laub und
Fahnen geschmückt war; 5 Ehrenpforten und mehrere
Girlanden waren errichtet.
Alles in allem können wir sagen: Das dritte
Kreisfeuerwehrfest reiht sich seinen Vorgängern von
Westerland und Tondern würdig an.
Am 20. Juni wurde die Feuerwehr nach Büllsbüll
gerufen. Durch Blitzschlag war das Gehöft des damaligen
Gemeindevorstehers Andreas Jessen in Brand geraten. In dem
nachfolgenden Bericht über den Brand und das Gewitter
heißt es:
Ein rührendes Beispiel von Elternliebe gab ein Storch,
der sich nicht von dem auf dem Hause befindlichem Nest
entfernte und mit den Jungen verbrannte.
Der Bierhändler Herr C. Paulsen von hier, welcher mit
seinem Fuhrwerk in der Gastwirtschaft "Carlsburg" Schutz
gesucht, hatte das Malheur, dass ihm seine Pferde, vor einem
in der Nähe einschlagenden Blitz scheu werdend,
durchgingen, den vollen Flaschenwagen umwarfen und eine
Strecke mit fortschleppten. Die Pferde haben wenig, dagegen
der Wagen ziemlich viel gelitten.
Im Jahre 1896 berichtete der Lecker Anzeiger am 30.
September:
Gestern abend gegen 9 Uhr riefen die Feuersignale unsere
freiwillige Feuerwehr zusammen. Die sehr bestimmt
auftretenden Aeußerungen, das Feuer sei in
Klixbüll, veranlaßte, daß eine Abteilung der
Wehr mit einer Spritze sofort ausrückte, bevor man den
Meßapparat in Anspruch genommen hatte. Bald stellte es
sich heraus, daß das Feuer viel weiter entfernt sein
mußte, und die Spritze kehrte in Süd-Klixbüll
wieder um. - Wie wir heute morgen hören, soll das Feuer
jenseits des Gotteskoogsees gewesen sein.
Einen Großbrand gab es 1899 zu bekämpfen: die
Maschinenfabrik des Herrn A. Sönnichsen.
Der "Lecker Anzeiger":
Über die Entstehungsursache des Feuers schwebt
völliges Dunkel. Die Gesellen des Herrn Sönnichsen
bemerkten, dass Rauch vom Boden herunterschlug. Als sie
nachsahen, waren bereits Balken und Sparren sowie eine
Quantität Stroh in Brand geraten. Die ersten
Löschversuche mit Eimern hatten leider keinen Erfolg;
das Feuer hatte bereits zu große Macht.
Reichlich eine Stunde vor Ausbruch des Feuers war Herr
Sönnichsen noch mit anderen Personen auf dem Boden
gewesen, welche Maschinen besichtigten. Eine halbe Stunde
später hatte das Dienstmädchen noch Späne
heruntergeholt und nichts Verdächtiges bemerkt.
Als ein Glück ist es zu nennen, dass die neben dem
Hauptgebäude stehende Schmiede verschont geblieben ist,
weil infolgedessen der Geschäftsbetrieb fortgesetzt
werden kann. Von dem Hauptgebäude sind die
Umfassungsmauern stehen geblieben. Die Stätte, wo bisher
fleißige Hände schafften, bildet jetzt einen
rauchenden Trümmerhaufen.
Die Freiw. Feuerwehren aus Klixbüll, sowie die
Klintum-Schnatebüller Brandwehr waren zur Hülfe
herbeigeeilt, kamen aber nicht in Thätigkeit.
1900 wurde die Lecker Wehr nach Karlum gerufen.
Interessant ist der Teil des damaligen Berichtes, der sich
mit der Versicherung befasst. Ähnliche Berichte, die
über zu niedrige Versicherungen aussagen, fanden wir
mehrere in jenen Jahren. Hier handelte es sich um ein Feuer
bei M. Godbersen auf Karlumhof: Herrn Godbersen, dem von
allen Seiten das Zeugnis eines tüchtigen Landmannes
ausgestellt wird, bedauert man allgemein, da er einen
empfindlichen pekuniären Verlust erleidet. Das Vieh,
welches sich in ausgezeichnetem Zustand befand, war nur
niedrig versichert, ebenso stand das Haus für nur 5000
Mark in der Brandkasse. Die Achtruper Feuerwehr und die
Lecker freiwillige Feuerwehr waren mit ihren
Löschgeräten auf der Brandstätte.
Im Mai 1900 wurde zum Brandmeister des Löschverbandes
der Gemeinden Leck und Büllsbüll und der
Gutsbezirke Büllsbüll und Fresenhagen der Hauptmann
der Freiwilligen Feuerwehr, Sattlermeister Emil Hellmuth, vom
königlichen Landrat ernannt.
Der Provinzialfeuerwehrverband der Freiwilligen Feuerwehren
Schleswig- Holstein zählte zum Beginn des neuen
Jahrhunderts 581 freiwillige Feuerwehren mit 20203 aktiven
Feuerwehrmännern.
Sicher ist es kein Aprilscherz, was am 1. April 1901 im
"Lecker Anzeiger" zu lesen stand:
Gestern morgen gab ein Schornsteinbrand im Hause des
Landbriefträgers Andresen die Veranlassung zum Ziehen
der Feuerglocke. Letzte gab jedoch nur wenige Töne von
sich, da inzwischen festgestellt war, dass keine Gefahr
vorhanden.
Die Feuerwehr war seinerzeit aufgeteilt in eine Steiger-,
eine Spritzen- und eine Schlauchwagengruppe. Jede Gruppe
hatte ihre bestimmten Aufgaben. Die gefährlichste hatte
die Steigergruppe zu bewältigen. Da die
Handdruckspritzen bei weitem nicht den Druck der heutigen
Motorspritzen erreichten,mussten die Steiger bei jedem Brand
auf die Dächer. Selbstverständlich wurden
dafür nur schwindelfreie Leute genommen, meistens
Männer, die aus ihren Berufen an "hohe Luft"
gewöhnt waren, wie Dachdecker und Zimmerer. Es ergab
sich dabei ganz von selbst, dass die Steiger "eine
verschworene Gemeinschaft unter sich" wurden.
Neben der Freiwilligen Feuerwehr bestand die
(Pflicht-)Brandwehr mit der alten Bestimmung weiter. Diese
Männer wurden dann meistens an der Spritze eingesetzt,
weil die acht Mann, die sich jeweils zu vieren an den
Pumpenschwengeln gegenüberstanden, oftmals abgelöst
werden mussten. Die älteren Einwohner werden bei
Bränden und Übungen noch gut das Kommando
"Löööst - ab!" in den Ohren haben. Der
Spritzenführer hatte auch insofern Polizeigewalt, als er
alle in der Nähe greifbaren Leute zu dieser Arbeit
heranziehen konnte.
Weiter hatte die Brandwehr die Aufgabe, nach Löschen des
Feuers die Brandwache zu stellen. Dabei wurde so verfahren,
dass bestimmte Häuser einer Straße für
festgesetzte Stunden je einen Mann zur Brandwache zu stellen
hatten. Eine weitere Verfügung besagte, dass bei jedem
Haus je ein Eimer, ein Brandhaken, eine Leiter und eine
Laterne, versehen mit der jeweiligen Hausnummer, vorhanden
sein musste. Auf das Vorhandensein dieser vier Dinge wurde
bei den Brandschauen großer Wert gelegt.
1903 trat in der Führung ein Wechsel ein. Aus dem
Bericht der Jahreshauptversammlung zitieren wir:
In der freiw. Feuerwehr ist seit der kürzlich
stattgefundenen Versammlung ein Wechsel im Kommando
eingetreten. Der bisherige Hauptmann Herr Emil Hellmuth, der
viele Jahre der Wehr angehörte, hatte eine Wiederwahl
aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt. Die Versammlung
ernannte Herrn Hellmuth zum Ehren-Hauptmann und wählte
Herrn Th. Jedicke zum Nachfolger. Als Stellvertreter des
Hauptmannes fungiert der erste Zugführer H. Thiele, als
2. Zugführer Herr Jens Nommensen. Weiter sind folgende
Herren jetzt im. Kommando: Jens Dethlefsen, Carst. Petersen,
Chr. Brodersen, H. Martensen, Fr. Lorenzen und C. Feddersen.
Die Versammlung beschloss einige recht wichtige Neuerungen
mit Bezug auf die Übungen, die Feuerermittlung durch
Radfahrer usw. Da sich die Zahl der Wehrleute gegen
früher leider etwas verringert hat, wäre es
wünschenswert, dass sich noch einige junge Leute zum
Eintritt melden.
Ein gewisser Meilenstein war das Jahr 1904. Die
Feuerwehr feierte ihr erstes Jubiläum: Das 25'ste. Es
gab damals eine 14 Mann starke Feuerwehrkapelle. Es war noch
bis in die ´60er Jahre Tradition, dass die Freiwillige
Feuerwehr vor Beginn der Jahreshauptversammlung am
Feuerwehrhaus antrat und zu dem jeweiligen Vereinslokal
marschierte.
Die Wehr hatte sich einen "Fahnenfonds" angeschafft, in dem
1904 140 Mark angesammelt waren. Die Versammlung beschloss
die Anschaffung eines Banners aus Anlass des 25jährigen
Jubiläums. Außerdem hieß es in dem Bericht
über diese Versammlung:
Mitglieder, welche bei Übungen dreimal nacheinander
fehlen, werden dem Ehrengericht angezeigt und können
ausgeschlossen werden. Bei einer Alarmierung müssen sich
alle Kameraden beim Spritzenhaus versammeln. Zur Feststellung
von Außenbränden hoffte man das Entgegenkommen der
Postbehörde durch Benutzung des Telephons zu finden. Die
Lieferung der am 1. April einzuführenden neuen Abzeichen
wurde dem Kameraden Schütt übertragen.
Das 25jährige Jubiläum wurde wieder mit einem
Kreisfeuerwehrfest verbunden, an dem rund 300
Feuerwehrmänner teilnahmen. Wie es damals zuging,
entnehmen wir wieder dem "Lecker Anzeiger":
Nachdem endlich die langen Verhandlungen erledigt waren,
konnten die Exerzitien beginnen, jedoch war die Zeit schon
viel zu weit vorgeschritten, so dass hier etwas gekürzt
werden musste. Schul- und Marschübungen, sowie
Parademarsch wurden exakt ausgeführt. Am letzteren
beteiligten sich zahlreiche auswärtige Feuerwehrleute.
Bei dem Scheinmanöver, das im übrigen
vorzüglich gelang, wurde nicht genügend Alarm
geblasen, so dass die an der Süderbrücke haltenden
Wehren von Stadum und Enge nicht in Tätigkeit traten.
Das Kommando, welches dies Versehen natürlich sehr
bedauert, hatte angenommen, dass die Signale in
größerer Entfernung vernommen werden konnten. Von
dem größeren Rundzug musste der sehr
vorgeschrittenen Zeit wegen Abstand genommen werden.
Im schönen Augarten fand sich darauf ein nach vielen
Hunderten zählendes Publikum ein, das sich hier ein paar
Stunden bei den schönen Weisen der Feuerwehrkapelle
vorzüglich amüsierte.
In kurzen markigen Worten entledigte sich Herr Amtsrichter
Panizza der Aufgabe, das Banner der hiesigen freiw. Feuerwehr
zu weihen. Der Herr Redner sprach von der Nächstenliebe
und Kameradschaft und schloss mit einem Hoch auf die Lecker
freiw. Feuerwehr. Das hübsche Banner trägt auf der
einen Seite die Inschrift: "Freiw. Feuerwehr zu Leck zum
25jährigen Jubiläum" und auf der andern Seite den
Spruch: "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr".
Herr Amtsvorsteher Hansen verteilte darauf die Auszeichnungen
für 25jährige Dienstzeit an die Herren Carsten
Petersen, Georg Nommensen, Peter Petersen, Heinrich Petersen,
Heinrich Christiansen, Nikolai Bossen, Andr. Dethlefsen,
Detlef Jessen, Friedrich Frenzel und Wilhelm Frenzel für
20 jährige Dienstzeit erhielt die Sterne Herr Thomas
Petersen und für 10jährige Dienstzeit die Herren
Carl Paulsen und P. Sibbersen.
An dem nach dem Konzert stattfindenden Festessen beim
Gastwirt Hennings beteiligten sich ca. 70 Personen. Die
Teilnehmer lobten das schmackhafte Essen sehr. Auch in den
Tanzlokalen war bis spät in die Nacht hinein noch reges
Leben, Jung und Alt schien sich vorzüglich zu
amüsieren, so dass die Teilnehmer gerne an das Fest
zurückdenken werden. Die hiesige Wehr dürfte in
pekuniärer Beziehung leicht auf ihre Kosten gekommen
sein.
Aber es gab nicht nur Feiern im Jahre des ersten
Jubiläums. Die Wehr wurde mehrmals alarmiert:
Am 16. Februar brannte in der Bahnhofstraße das Haus
des damaligen Rentners Lorenz Johannsen, in dem drei Familien
wohnten. Der "Lecker Anzeiger":
Die Klintum-Schnatebüller Brandwehr war mit ihrer
Spritze auf der Brandstelle anwesend. Andere benachbarte
Wehren hatten durch Radfahrer und Reiter feststellen lassen,
dass ihre Tätigkeit nicht in Anspruch genommen zu werden
brauchte.
Am 11. März ertönte um 19.30 Uhr Feuerhorn und
Sturmglocke. Es brannte das Anfang Birkstraße gelegene
Haus des Schmiedemeisters und Kommissar der Landesbrandkasse
J. Hinrichsen. Das Haus war weich gedeckt. Da der Schein
weithin sichtbar war, fanden sich viele Nachbarfeuerwehren
ein.
Am 1. Juli sah man im Westen Rauchwolken aufsteigen. Es
brannte im Westerholz. Wie aus dem Bericht zu entnehmen war,
hatten Nachbarn und Passanten das Feuer bereits im Entstehen
gelöscht. Der "Lecker Anzeiger" berichtet am 4.
Juli:
Ganz ohne Schaden ging es hierbei nicht ab: Landmann
Godb. Godbersen musste einen Teil seines Bartes dem Feuer
opfern und dem Bäckermeister Friedrichsen aus Stadum war
Feuer in die Rocktasche geflogen, wodurch ein Taschentuch
entzündet und ein Loch in den Rock gebrannt war. Es sind
glücklicherweise nur ein paar hundert Quadratmeter Heide
abgebrannt, wo Laubhölzer gepflanzt waren. Zweifellos
ist das Feuer durch Funkenflug des um 11 Uhr vorbeigefahrenen
Zuges entstanden. Der Vorstand des Verschönerungsvereins
wird es sich jetzt gewiss angelegen sein lassen, dass Mittel
und Wege gefunden werden, um die Gefahr von dieser
großen mit so vielen Mühen und Kosten geschaffenen
Anpflanzung für die Zukunft abzuwenden.
Leider hat der Feueralarm einen bedauerlichen Unfall im
Gefolge gehabt. Ein junger Mann, der mit seinem Rad in
schnellster Fahrt nach der Brandstätte wollte,
fährt unvorsichtigerweise in einen Haufen Schulkinder
hinein, wodurch mehrere derselben hinstürzen und einer,
der Sohn des Herrn Hauptlehrers Paulsen, einen Beinbruch
davontrug.
Über einen Einsatz der Lecker Feuerwehr am 7. Juni
des denkwürdigen Jahres wollen wir den "Lecker Anzeiger"
voll berichten lassen:
Feuer- und Nebelhorn brachte gestern abend 9 Uhr hier
alles in Aufregung. Aber weder Rauch noch Feuerschein war
ringsum zu bemerken. Bald klärte sich denn auch die
Sache auf. Eine größere Zigeunertruppe hatte die
Absicht, sich für die Nacht hier auf der Chaussee bei
der Süderbrücke häuslich niederzulassen und
ließ ihre Pferde in der erstbesten Fenne gräsen.
Der polizeilichen Aufforderung, die Passage freizugeben und
weiter nach der Heide hinauszufahren, wollte die Gesellschaft
nicht nachkommen, sondern zeigte sich in jeder Weise rabiat.
Da Herr Wachtmeister Tornow verreist war, musste man sich auf
andere 'Weise helfen und rief die Feuerwehr durch Signal
herbei, die denn auch rasch in großer Zahl, aber mit
ihr auch ein sehr zahlreiches Publikum, heranrückte. Bei
den ersten Signalen stieg den braunen Gesellen wohl die Angst
in die Knochen, sie holten ihre Pferde schleunigst, hieben
auf sie ein und fuhren unter kräftigen
Verwünschungen nach Stadum zu, von wo sie auch gekommen
waren. Auch dort sollen sie sich unliebsam benommen haben.
Durch ihre immer größer werdende Zahl und ihr
Auftreten sind die Zigeuner zu einer wahren Landplage
geworden. Sollte der Staat hier nicht einschreiten und diesen
Leuten den Wandergewerbeschein verweigern können?
1906 wurde die Wehr im Januar zu einem Feuer nach
Klintum gerufen.
Im April brannte, wahrscheinlich durch Funkenflug einer
Lokomotive, dürres Gras am Bahnkörper in der
Nähe des Westerholzes. Ein Übergreifen auf das
Westerholz konnte verhindert werden.
In der Organisation meldete der "Lecker Anzeiger" im Mai
1906:
Das Oberbrandmeisteramt auf dem Lande: Während nach
den bisherigen Bestimmungen auf dem platten Lande das Amt
eines Oberbrandmeisters stets von dem zuständigen
Amtsvorsteher wahrgenommen werden musste, ist darin jetzt
eine Aenderung eingetreten. Für dieses Amt ist nunmehr
in erster Linie der Führer einer freiwilligen Feuerwehr
in Aussicht zu nehmen. Die Ernennung erfolgt, wie bisher
durch den Landrat.
Eine Feuerwehr-Unterstützungskasse gab es bereits
zu Beginn dieses Jahrhunderts. Das entnehmen wir folgender
Meldung:
Dem Schuhmacher und Arbeiter Joh. P. Rasmussen hieselbst
ist wegen einer am 16. Februar 1906 bei dem Brande des Hauses
des Herrn Lor. Johannsen in der Bahnhofstraße im
Feuerlöschdienst erlittenen Verletzung und nachfolgender
Erkrankung an Ischias vom 1. Oktober selbigen Jahres ab eine
Rente von 20 Mark monatlich aus der
Feuerwehr-Unterstützungskasse gewährt worden.
Rasmussen wurde in der Dunkelheit von einem Meldereiter auf
der Straße umgeritten und erlitt dadurch eine
Verletzung im Kreuz. Auf sein Ansuchen ist ihm jetzt, nachdem
von ihm nachgewiesen ist, dass er auch in den Monaten
März bis September 1904 infolge seiner Erkrankung in der
Erwerbsfähigkeit beschränkt gewesen ist, die Rente
für die gedachten sieben Monate mit zusammen 140 Mark
nachträglich bewilligt worden.
Im Jahre 1906 legt die Landesbrandkasse besonderes
Gewicht darauf, dass die bei ihr versicherten weichgedeckten
Gebäude mit Blitzableitern versehen werden. Wer eine
Blitzableiteranlage einbaut, erhält nennenswerte
Prämien.
Im April wurde ein Feuer schnell gelöscht, das in der
Räucherkammer des Stellmachers Jessen entstanden
war.
Im Mai brannte es in einem kleinen Hause am Süderholz,
wobei Brandstiftung angenommen wurde.
Im August hatten Lecker Bürger Feuerwehrleute in Uniform
zum Spritzenhaus eilen sehen. Sie hatten die Töne eines
Nebelhornes, das ein Autofahrer als Warnsignal hatte
ertönen lassen, für Feuersignale gehalten.
Einen Bericht vom 4. September wollen wir dann wieder
ungekürzt wiedergeben:
Einen gesunden Schlaf muss ein Nachbar des Herrn Chr.
Johannsen in Ost- Schnatebüll haben, der in der Nacht
vom Sonntag auf Montag von dem Niederbrennen des
Nachbargebäudes und dem Lärm der
Löschmannschaften nichts verspürt hat. Als man ihn
schließlich am frühen Morgen weckte und ihm die
Mitteilung von dem Schadenfeuer machte, glaubte er zuerst
noch, dass man ihm etwas aufbinden wollte.
Der Fall erinnert an den Brand des früheren Andr.
Hansen'schen Gasthofes (später Hennings Hotel hieselbst)
vor ca. 30 Jahren. Ein gegenüber wohnender Gastwirt sah
am Morgen nach dem Brande erschreckend die öde
Stätte; er und seine Familie hatten den gewaltigen
Feuerlärm in nächster Nähe friedlich
überschlafen.
Da wir nun einmal vom "Schlafen" schreiben, mag auch der
gesunde Schlaf eines hiesigen Gastwirts erwähnt werden,
der die Anstrengungen der Sedanfeier durch einen
ununterbrochenen 30stündigen Schlummer überwunden
haben soll.
Leck, den 9. Septbr.
Bei der Aufräumung der Brandstätte in
Oster-Schnatebüll soll sich, wie uns mitgeteilt wird,
herausgestellt haben, dass ein Schweinekadaver weniger
gefunden wurde, als vorher lebende Schweine im Stall gewesen
waren. Man nimmt daher an, dass das Schwein gestohlen und um
den Diebstahl zu verdecken, das Haus angezündet ist.
Über eine Brandstiftung wird 1909 berichtet:
Kurz vor Beginn der Kaisergeburtstagsfeier am
Mittwochabend wurde eine beabsichtigte Brandstiftung
entdeckt. Herr Peter Detlefsen sah, als er am Hause des Herrn
Michel Kajat vorbeiging, schon von weitem an der hinteren
Seite ein helles Licht brennen. Bei näherer Untersuchung
stellte sich heraus, dass ein Tannenzweig ins Strohdach
hineingesteckt war, an dessen Ende ein mit Petroleum
getränkter Lampendocht und altes Zeug gewickelt war.
Dieses brannte lichterloh und müsste in ganz kurzer Zeit
das Dach erreicht haben, wodurch alsdann mindestens zwei
Häuser in Flammen aufgegangen wären.
Von dem Täter fehlt jede Spur. Ob es sich nur um einen
unbedachten leichtsinnigen Streich handelt oder um einen
schlechten, der etwa bezwecken sollte, das Fest zu
stören oder dem Hausbesitzer einen Schaden
zuzufügen, bleibt zweifelhaft.
Der erste Weltkrieg verschonte auch die Männer der
Freiwilligen Feuerwehr Leck nicht.
Vor Ausbruch des Krieges war die Wehr 52 Mann stark. Im
Laufe der nächsten Jahre wurden 37 Männer zum
Heeresdienst einberufen. 1917 bestand die FF Leck aus 15
aktiven Mitgliedern. Johann Bossen und Johann Busch waren
gefallen, drei andere Feuerwehrmänner in Gefangenschaft.
Die Jahreshauptversammlungen wurden stets mit einem "Hoch auf
die im Felde stehenden Kameraden" abgeschlossen. Der
Brandschutz konnte mit den 15 Männern allerdings nicht
allein aufrecht erhalten werden.
Wie in anderen Orten, so gab es auch in Leck eine
Jugendbrigade, die unter anderem auch der Feuerwehr half. Bei
Löscharbeiten wurden an der Handdruckpumpe auch
kriegsgefangene Russen eingesetzt.
1921 erhielt die Wehr eine neue Handdruckspritze. Die Mittel
zum Unterhalt und zur Anschaffung neuer Schläuche kamen
von der Gemeinde oder in Form von Anerkennungsbeträgen
von der Landesbrandkasse und der Flensburger
Feuerversicherung.
Für interne Ausgaben kamen die Feuerwehrmänner
selbst auf. Passive Mitglieder gab es nur wenige. Das hatte
seinen besonderen Grund: passives Mitglied konnte nur werden,
wer vorher aktiv in der Feuerwehr gedient hatte.
Die Beiträge steigerten sich mit der Geldentwertung.
1921 wurden noch vier Mark als jährlicher Beitrag
gezahlt. 1922 gab es für unentschuldigtes Fehlen
Strafgelder in Höhe von jeweils zehn Mark. Und 1923
hatte die Wehr Einnahmen in Höhe von 63.000 Mark.
1924 wurde der Beitrag dann wieder auf 1,20 Mark festgesetzt.
Von diesen Geldern erhielt auch der Wehrführer einen
gewissen Betrag: für Botengänge. Das musste damals
noch der Wehrführer selbst erledigen.
Neuer Auftrieb nach
der Inflation
Im Jahre 1925 wurde das
erste Mal angeregt, im Herbst ein öffentliches Werbefest
zu veranstalten, dessen Erlös zur Auffrischung des
eigenen Etats benutzt wurde. Erst viel später wurde die
noch viele Jahre bestehende Regelung getroffen, dass im
September der Kameradschaftsabend für die aktiven
Mitglieder und deren Frauen stattfand, und dass zum
Stiftungsfest passive und Ehrenmitglieder eingeladen
wurden
Militärisch
zackig
Die Übungen begannen
nach dem ersten Weltkrieg mit viermal jährlich und
steigerten sich mit zunehmender Technisierung. Bei diesen
Übungen ging es noch "militärisch" zu. Jedes Mal
gab es einen Uniformappell, und so manch einer hat einen
Rüffel davongetragen, der seine Knöpfe und den
Beschlag am Lederheim nicht auf Hochglanz gebracht hatte. Zu
spät kommen und unentschuldigtes Fehlen wurde mit
kleinen Geldstrafen geahndet. Schwere Fälle wurden an
das Ehrengericht verwiesen, das noch bis nach dem letzten
Krieg bestand.
So wurde ein Fall verhandelt, von dem das Protokoll aussagt:
"P. ist während der Übung aus dem Glied getreten
ohne Erlaubnis und beschimpfte den stellv. Hauptmann. Dieses
wurde fortgesetzt auf dem Marsch zum Übungsplatz."
So streng waren seinerzeit die
Bräuche!
Die erste
Motorspritze
1929 erhielt die Wehr die
erste Motorspritze. Es handelte sich dabei um eine TS-4
(Nennleistung 400 Liter in der Minute).
Die erste elektrische Sirene wurde 1930 auf dem Dach des
Central-Hotels angebracht.
Einsätze der Wehr bis 1933 waren im Jahre 1920 beim
Schadenfeuer beim Schießstand Karlsmark, und bei P.
Marenheims in der Bahnhofstraße.
Einmal wurde die Wehr eingesetzt, um in Kokkedahl Zigeuner
zu vertreiben.
1924 erfolgte am 2. August ein Einsatz beim Brand
Jürgen Carstensen und am 12. August bei Andreas
Petersen, Leckfeld (heutiges Flugplatzgelände), 1925 bei
der Werkstatt Böttcher Hinrichsen, beim Gebäude
Tierarzt Petersen, 1927 bei zwei Großbränden bei
Müller Moritzen und Fritz Bliesmann, Achtrup, bei
Petersen, Gut Lütjenhorn. 1928 bei Heinrich Nissen,
Birkstraße, und bei der Gastwirtschaft A. Petersen in
Achtrup, 1929 beim Gemeindevorsteher A. Nielsen, Klintum
(Großfeuer), bei A. Bossen, Leck-Freiheit
(gegenüber der Volkshochschule, hier wurde die neue
Motorspritze das erste Mal eingesetzt) und bei einem
Heidebrand an der Chaussee Klintum-Leck, 1930 bei einem
Düngerhaufenbrand bei Rathje, Leckfeld, beim Heidebrand
bei Seiler, Klintum, beim Waldbrand im Langenberger Forst,
beim Stall- und Scheunenbrand Carsten Jeve und bei einem
Feuer auf Westrefeld
Nach 1933
Aus der
Generalversammlung vom 20. Januar 1933 möchten wir ohne
besonderen Kommentar einen Auszug aus dem Protokoll
wiedergeben, weil es für die damalige Zeit bezeichnend
ist:
"Der stellv. Hauptmann rügt das Antreten bei
Umzügen usw. in politischen Anzügen und Teilen
derselben. Dem Antrag auf Entfernung vom Umzuge und bei
Wiederholung Ausschluß aus der Wehr, wurde
stattgegeben."
Im Protokoll vom 24. April 1933 wurde dieser Beschluss
aufgehoben.
1934 wurde die Feuerwehr auf die neue Regierung
verpflichtet.
Eine Besserung trat insofern ein, als in der Zeit
sämtliche Feuerwehren in Satzung, Uniform und
Rangabzeichen vereinheitlicht wurden. Die hiesigen Wehren
wurden in Löschzüge nach Amtsbezirken eingeteilt.
Die Freiwillige Feuerwehr Leck wurde Löschzug 1.
Nennenswerte Neuanschaffungen im Feuerlöschwesen sind in
diesen Jahren nicht zu vermerken.
Brände waren bis Kriegsbeginn im Jahre 1934:
am 28. Februar in der Nacht um 3 Uhr bei Julius Marcussen
und vormittags bei Heinrich Jakobsen (später Drogerie
Richter). Bei diesen Bränden bewies sich die gute
Ausbildung. Im letzten Falle konnte die Ausbreitung auf das
nur etwa einen Meter vom Brandobjekt befindliche Strohdach
der Schlachterei Paulsen verhindert werden.
Am 23. Juli brannte die Werkstatt des Malermeisters
Klüwer.
1938 brannte es bei Ingwersen, Klintumfeld, und bei
Christian Andresen auf Schottenburg.
Große Anforderungen wurden an die Feuerwehr im letzten
Krieg gestellt. Als Hilfspolizeitruppe
(Feuerlöschpolizei) wurde sie zum Beispiel bei Ausbruch
von Kriegsgefangenen eingesetzt. Oftmals wurden tage- und
nächtelang Streifen gelaufen. Im Jahre 1940 wurde die
Wehr elfmal bei Bränden eingesetzt.
Der größte Brand war am 17. Mai des Jahres in der
Mühle bei Thordsen. Hier wurde sogar das
Feuerschutz-Regiment Sachsen eingesetzt, das sich gerade in
Harrislee auf der Landesfeuerwehrschule befand. Das Wasser
musste aus der Lecker Au herangeholt werden.
Durch die mit Fortlauf des Krieges zunehmenden Luftangriffe
wurde die Wehr oftmals nach auswärts gerufen. Die Wehren
wurden zu Bereitschaften zusammengestellt, die dann, zentral
gelenkt, bis nach Flensburg eingesetzt wurden.
1941 hatte die Wehr einen Mannschaftswagen und eine
800-Liter-Pumpe (LF-TSA-8) erhalten.
Im Juli 1943 kam der Einsatzbefehl nach Hamburg. Die FF Leck
wurde am Alsterdamm und am Eppendorfer Weg eingesetzt.
Leck bekam später ein LF-15 (Löschfahrzeug mit
eingebauter Pumpe mit 1500 Liter Nennleistung). Das alte
Spritzenhaus am Schafmarkt hatte schon lange nicht mehr
ausgereicht, um die Fahrzeuge unterzustellen.
Als "Ersatzspritzenhaus" diente zunächst die Durchfahrt
vom "Central-Hotel". Später bekam man auf dem Viehmarkt
einen großen Schuppen zur Verfügung.
Nach 1945
Nach Beendigung des
Krieges fanden sich sofort wieder Männer bereit, den
Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr weiterzumachen.
Bereits in den letzten Kriegsjahren bestand der Plan, ein
neues Gerätehaus zu bauen. Es wurde mit Nachdruck durch
Wehrführer Peter Dinsen gefördert. Bedingt durch
die Materialknappheit wurde der Plan jedoch immer wieder
aufgeschoben. Als der Antrag dann genehmigt wurde, halfen
alle Kameraden mit.
Planierungsarbeiten wurden in der Freizeit gemacht, und am
23. Februar 1949 konnte gerichtet werden. Ein Jahr
später, am 25. Februar 1950, wurde das Gerätehaus
seiner Bestimmung übergeben, um dessen Erstellung sich
Brandmeister Johann Anthonisen und Hauptbrandmeister Johann
Nicolaisen besonders verdient gemacht haben.
Im Jahre 1956 bekam die Wehr eine TS-8 mit VW-Motor. Mit den
nun vorhandenen Geräten und im neuen Gerätehause
brachte der Dienst bei der Feuerwehr noch einmal soviel
Freude.
1956, was waren wir damals froh über das neue Fahrzeug.
Wir waren modern ausgerüstet: das LF-16, später
liebevoll nur noch "ALÖFA" genannt, was die
Abkürzung für "Altes Löschfahrzeug" war, ein
Tragkraftspritzenfahrzeug und ein
Tragkraftspritzenanhänger.
Niemand von uns ahnte damals wie schnell die Entwicklung
weiterlaufen sollte, wie umfangreich die Aufgaben der
Feuerwehr und wie wechselhaft und zahlreich die Einsätze
werden sollten.
Keine zehn Jahre arbeitete die Freiwillige Feuerwehr Leck mit
diesem Fahrzeugpark allein.
1964 erhielten wir das Tanklöschfahrzeug des
Zivilschutzes. Es konnte mit eigener Pumpe 1600 Liter Wasser
in der Minute fördern und hatte außerdem eine
Tragkraftspritze mit 800 Liter Nennleistung mit sich.
Ein Jahr später, am 1. Mai 1965, erhielten wir ein
Tanklöschfahrzeug. Von da ab hatten wir stets 2400 Liter
Wasser für den ersten Angriff zur Verfügung. Das
Fahrzeug kostete damals runde 62.000 DM.
1970 erhielt die Wehr ein TSF-GW. Die Buchstaben stehen
für Tragkraftspritzenfahrzeug mit
Geräte-Ausstattung. Kostenpunkt genau 42.518,55 DM,
wovon Land Schleswig-Holstein und Kreis Südtondern
Zuschüsse zahlten.
Nun war die Wehr auch für Not- und Unfälle auf der
Straße oder für andere technische Hilfeleistungen
gerüstet.
Kurz vor dem hundertsten Geburtstag 1979 erhielt die Wehr
ein neues LF-16 RW.
Das Fahrzeug hatte unter anderem eine eingebaute Seilwinde
sowie einen ausfahrbaren Lichtmast. Dazu kam viel technisches
Gerät.
Dieses Fahrzeug kostete genau 192.054,18 DM. Die Gemeinde
Leck hatte jahrelang dafür gespart.
Apropos Geld: Es wurde in den letzten Jahresrechnungen
gestöbert und einmal herausgezogen, was die Gemeinde
für den Brandschutz zahlte.
..... und es waren im Haushalt der Gemeinde
Leck
1969: 31.114,82 DM
1970: 41.845,75 DM
1971: 36.718,84 DM
1972: 19.795,86 DM
1973: 44.809,68 DM
1974: 57.507,89 DM das war das Jahr der Gemeindezusammenlegung
1975: 61.080,04 DM
1976: 56.683,60 DM
1977: 168.872,00 DM
1978: 178.800,00 DM
1979: 137.200,00 DM
1980: 99.300,00 DM
1981: 117.900,00 DM
1982: 99.300,00 DM
1983: 224.500,00 DM
1984: 1.341.900,00 DM Neubau des Feuerwehrgerätehauses
1985: 159.300,00 DM
1986: 368.400,00 DM
1987: 334.900,00 DM
1988: 490.800,00 DM Anschaffung des TLF16/25
1989: 114.500,00 DM
1990: 115.800,00 DM
1991: 353.000,00 DM Anschaffung des TSF ???
1992: 198.800,00 DM
1993: 230.700,00 DM
1994: 168.100,00 DM
1995: 179.900,00 DM
1996: 338.300,00 DM Anschaffung des MZF
1997: 185.200,00 DM
1998: 195.900,00 DM
1999: 671.200,00 DM Anschaffung LF 16-12
2000: 596.400,00 DM Anbau des Feuerwehrgerätehaus
2001: 241.400,00 DM
......
für den Brandschutz der Bürger Lecks.
Das waren
1979 bei 7079 Einwohnern 19,05 DM
1989 bei 7014 Einwohnern 16,32 DM
1999 bei 7570 Einwohnern 89,89 DM
pro Kopf der
Bevölkerung.
Das sind rein sachliche Kosten. Die Arbeit wird von den
Männern freiwillig, ehrenamtlich und ohne Bezahlung
getan.
Und nicht nur der Einsatz, allem voran geht die Ausbildung.
Und wer seine Grundausbildung hat, muss weiter lernen: als
Gefahrgutspezialist, Funker etwa oder Maschinist oder
Atemschutzgeräteträger oder aber als
Führungskraft.
Die Zahl der Einsätze in den letzten Jahren
aufzählen zu wollen, würde umfangreich sein. Es
kommt uns auch gar nicht darauf an.
Die Einsätzkräfte werden, wie es sicherlich jedem
Bürger der Ortes Lecks bekannt ist, seit langem nicht
mehr über die Feuersirene alarmiert. Heutzutage
verfügt die Feuerwehr über modernste Funk- und
Alarmierungstechnik, die den Einsatz der Kräfte genau
steuern kann. Die Einsätze sind auch anders geworden.
Hatte es die Feuerwehr 1879 fast ausschließlich mit
Feuer zu tun, so sieht das bei der Feuerwehr heutzutage
völlig anders aus.
Einmal grob über den Daumen gepeilt sind mehr als 65
Prozent der Einsätze technische Hilfeleistungen. Dazu
gehört die Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen
ebenso wie das Auspumpen von Kellern oder die Beseitigung von
Ölspuren auf Straßen und Gewässern und viele
andere kleine Dinge mehr.
Aus der eigentlichen Feuerwehr, in des Wortes wahrster
Bedeutung, ist eine technische Hilfeleistungstruppe
geworden.
Der Bericht über die Freiwillige Feuerwehr Leck soll
aber nicht abgeschlossen werden, ohne die fördernden
Mitglieder zu erwähnen. Rund 350 Bürger des Ortes
unterstützen die Freiwillige Feuerwehr mit
jährlichen Beiträgen.
Diese finanzielle Unterstützung ist für uns sehr
wertvoll und ohne sie hätten wir uns viele notwendige
Dinge gar nicht oder aber erst sehr viel später
anschaffen können.
Weitaus mehr bedeutet für uns aktive
Feuerwehrmänner jedoch die moralische Unterstützung
der fördernden Mitglieder. Wir sehen darin einen Beweis,
dass diese Bürger zu "ihrer" Feuerwehr halten.
Helfen wollen
ist gut, helfen können ist besser
Diesen Wahlspruch hatten vor Jahren Schleswig-Holsteins
Jugendfeuerwehren bei einem Landeszeltlager. Nach diesem
Wahlspruch handelt auch die Freiwillige Feuerwehr Leck.
Es kann, schon rein zahlenmäßig, nicht jeder
Bürger aktiver Feuerwehrmann sein. Aber eines sollte
nicht unausgesprochen bleiben:
die Freiwillige Feuerwehr Leck freut
sich über jedes neue fördernde
Mitglied
Fast einhundertfünfundzwanzig Jahre aktiver
Hilfeleistung liegen hinter uns. Was uns die Zukunft bringt,
wissen wir nicht.
Nur von einem sind wir überzeugt:
Dass es auch in Zukunft immer Menschen geben wird, die
bereit sind, das Helfen zu lernen, um anderen helfen zu
können, und die das auch weiterhin freiwillig für
ihre Mitbürger tun.
Die
Jugendfeuerwehr
19. Mai 1962. Sechzehn
Jugendliche der Gemeinde Leck hatten sich zusammengefunden,
um die zweite Jugendfeuerwehr auf dem Festlandteil des
damaligen Kreises Südtondern ins Leben zu rufen.
Wiege aller Jugendfeuerwehren ist die Insel Föhr.
Während die männlichen Dorfbewohner einiger
Inseldörfer wochen- und monatelang auf Fischfang waren,
ist der Brandschutz nicht gewährleistet gewesen. Daher
versahen die Jugendlichen den Dienst der Feuerwehrleute.
Erst siebzig Jahre später übertrug sich diese Idee
der Jugendfeuerwehr auf das Festland. Die Jugendfeuerwehr
Leck ist eine der ältesten.
Horst Götz, spaeterer Wehrführer der Feuerwehr
Leck, hatte lange Verhandlungen mit dem Vorstand der
Freiwilligen Feuerwehr geführt, bis man bereit war, der
Feuerwehr eine Jugendgruppe anzugliedern. Im Gegensatz zu den
Inseljugendfeuerwehren war man bei der Aufstellung von
Jugendgruppen auf dem Festland nicht davon ausgegangen, dass
sie den aktiven Brandschutz leisten sollten. Vielmehr legte
man neben der Ausbildung zum Feuerwehrmann wert auf die
allgemeine Jugendarbeit. Dies hat sich bis heute nicht
geändert.
Ein Jahr nach Gründung der Jugendfeuerwehr konnte man
bereits an einem Landesjugendfeuerwehr-Zeltlager in
Neumünster teilnehmen. Von den 23 im
Landesfeuerwehrverband anerkannten Jugendfeuerwehren fuhren
14 in dieses Lager. Hauptanlass war das gegenseitige
Kennenlernen, sowohl der Mitglieder als auch deren Betreuer.
Im Laufe der nächsten Jahre wurden viele private Besuche
bei anderen Jugendfeuerwehren durchgeführt.
Heute ist die Jugendfeuerwehr parallel zu den
Zusammenschlüssen der Freiwilligen Feuerwehr bis hin zum
Deutschen Feuerwehrverband als Dachverband organisiert.
Erstmals 1967 und zwei weitere Jahre verbrachten die
Mitglieder der Jugendfeuerwehr einen Teil ihrer Ferien auf
der Vogelschutzhallig Norderoog. Unter teilweise
schwierigsten Bedingungen wurden in dieser Zeit
Uferbefestigungsanlagen gebaut. Da sich die Hallig in
Privatbesitz befindet, mussten auch die Erhaltungsarbeiten
vom Besitzer getragen werden. Durch den Einsatz der
Jugendfeuerwehren konnten die Kosten gering gehalten
werden.
Erst nach dem zehnten Geburtstag wurden auch in der
näheren Umgebung Lecks Jugendfeuerwehren gegründet.
Seither unterhält die Lecker Jugendfeuerwehr zu einigen
Nachbarjugendfeuerwehren enge Kontakte.
In den letzten Jahren wurde unsere Jugendfeuerwehr immer
mehr Helfer bei Veranstaltungen jeder Art. Ständig sind
etwa fünfundzwanzig Jungfeuerwehrmänner bereit,
dort mit anzufassen und auch Feuerwehrgerät mit
einzusetzen, wo es nötig ist.
Neben all diesen Tätigkeiten und der Ausbildung zum
Feuerwehrmann sind Sport und Spiel sowie auch kleine Feiern
nie zu kurz gekommen.
Wöchentliche Gruppenabende fördern die
Kameradschaft unter den Mitgliedern. Während dieser
Gruppenabende findet auch die Feuerwehrausbildung statt.
Hierzu steht der Jugendgruppe das Gerät der Freiwilligen
Feuerwehr zur Verfügung. Als Zeichen für einen
guten Ausbildungsstand soll der Jungfeuerwehrmann die
Leistungsspange der Deutschen Jugendfeuerwehr erwerben. Die
Prüfung umfasst einen feuerwehrtechnischen und einen
sportlichen Teil.
Freiwillige Feuerwehr
Leck 1909

Obere Reihe von links:
Johannes Brodersen, Christian Petersen, Julius Dethlefsen,
Wilhelm Sievers, Michel Kasat.
Zweite Reihe von links: Peter Petersen, Peter Martensen,
Moritz Martensen, Christian Duborg, Peter Thomsen
(Steigerführer), Andreas Dethlefsen, Carsten
Petersen, Mathias Burgwald, Alfred Petersen, Klaus
Feddersen
Dritte Reihe von links: Karl Bendixen. Bendix Bendixen,
Peter Petersen, Heinrich Nissen, Christian Carstensen,
Anton Jessen, Lindberg, Johann Gutschmidt, Nicolai Jessen,
Christian Andersen.
Untere Reihe von links: Peter Dethlefsen, Georg
Schütt, Thomas Petersen, Philipp Hinrichsen
(Spritzenführer), Theodor Jedike (Hauptmann), Carsten
Brodersen (Spritzenführer), Carsten Petersen, Karl
Paulsen, Paul Hecht, P.A. Petersen.
Freiwillige Feuerwehr Leck
1950

Das 1950 errichtete
Gerätehaus, bei dem die Feuerwehrmänner viel
Arbeit in Eigenleistung übernahmen, war bald zu
klein. Für neue Fahrzeuge musste das Gebäude
noch im Laufe der fünfziger Jahre erweitert
werden
Freiwillige Feuerwehr Leck
1959

1959 wurde der
Tragkraftspritzenanhänger noch von einem Auto
gezogen, das normalerweise für Gemüsetransporte
bestimmt war. Diese Aufnahme entstand in der
Birkstraße, wo später lange Jahre das
Fuhrunternehmen Ketelsen beheimatet war. Das Auto
gehörte dem damaligen stellvertr. Wehrführer
Johann Anthonisen (Johann Jaffa). Gruppenführer (ganz
links) war der spätere Wehrführer Horst
Götz.
Freiwillige Feuerwehr Leck
1978

1978 war die FF Leck zu einem
millionenschweren Brandschaden auf dem Gut Fresenhagen
eingesetzt

Nach hartem Brandeinsatz, hier
Fresenhagen, haben die Frauen der Feuerwehrmänner
Verpflegung zur Brandstelle gebracht. Nach stundenlangem
Einsatz eine heiße Tasse Kaffee und belegte Brote,
das tut gut
Freiwillige Feuerwehr Leck
1962

1962 wurde die Jugendfeuerwehr
Leck gegründet, hier die ersten Mitglieder kurz nach
der Gründung mit Wehrführer Albert
Petersen.
Zu den vielfältigen
Einsätzen der Lecker Jugendfeuerwehr gehörten
auch Uferbefestigungen der Vogelschutz-Hallig
Norderoog.